Mein Business: "Suche dir Mentoren und Leute die Erfahrungen haben"

31.05.2017

Stephanie Cox hat an der Universität Wien Kultur- und Sozialanthropologie studiert und gründete im letzten Jahr mit chancen:reich Österreichs erste Berufs- und Orientierungsmesse für geflüchtete Menschen. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen als Gründerin.

uni:view: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, 2016 eine Berufsmesse für geflüchtete Menschen zu organisieren – und wann stand fest: Wir legen jetzt los?
Stephanie Cox:
Mein Projektpartner Leo und ich hatten am Anfang überlegt selber zu gründen und die Newcomer anzustellen. Jedoch sind wir sehr schnell auf die Herausforderungen in den Großunternehmen aufmerksam geworden, welche hier noch viel Unterstützung und Aufklärung benötigen. Ebenso auf die geflüchteten Menschen. Integration passiert am schnellsten und vor allem nachhaltig über den Arbeitsmarkt. Voila: Nimm ein simples Produkt, schaffe Komfortzone und einen Ort an dem Menschen auf Augenhöhe miteinander kommunizieren können. Wirkt Wunder und hat über 200 Arbeitsplätze geschaffen. Es hat vier Monate gedauert und ja, die Vorbereitungszeit muss nicht schön geredet werden. Von nichts kommt nichts. Und ohne dem richtigen Team geht's auch nicht. Wir hätten die chancen:reich nie zu zweit machen machen können (und wollen). 

uni:view: Haben Sie sich das Gründen so vorgestellt?
Cox:
Ich hatte Glück, dass das Thema kein neues für mich ist und ganz wichtig: Ich hatte bei der chancen:reich einen starken Projektpartner, der ein sehr erfahrener Gründer ist. Das Wichtigste beim Losstarten ist, mit jenen Menschen, mit denen man gründet, Werte abzugleichen. Die erste Frage, die wir uns also gestellt haben war: Was ist dir wichtig? Was ist mir wichtig? Uns beiden ist zum Beispiel Transparenz sehr wichtig.
Ich bin eigentlich ohne große Erwartungen ans Gründen herangegangen, weil ich in der Vergangenheit noch nie mit Flüchtlingen gearbeitet hatte. Aber ich habe einen sehr hohen Qualitätsanspruch an meine Arbeit und es war uns wichtig, das Ganze nachhaltig zu gestalten.

uni:view: Was war für Sie die größte Herausforderung?
Cox: Gerade in Österreich werden die Worte: "Das geht nicht!" sehr gerne verwendet, einfach aus dem Grund "weil's das noch nie gab, und warum sollte das jetzt funktionieren?" Ein Beispiel bei uns war unsere Pressekonferenz, wo viele sagten "Man macht eine Pressekonferenz am Tag der Konferenz, nicht zwei Monate davor." Wir beschlossen, es trotzdem zu machen. Es ist wichtig beim Gründungsstart auch Dinge zu machen, bei denen anderen sagen, dass sie nicht funktionieren. Denn es ist besser es zu machen, als es gar nicht erst probiert zu haben.

Alle anderen kochen auch nur mit heißem Wasser. Das sollte man immer wieder beachten, wenn man in eine Welt eintaucht, wo es auch ganz stark um Marketing und um Sales geht. Wenn es beispielsweise um die Aufmerksamkeit der Medien geht, muss man einfach rausgehen, mit Menschen reden und Medien direkt ansprechen. Egal ob "Forbes" oder die "Kronenzeitung", man geht hin und spricht auf Augenhöhe. Ich bin mit dem Selbstbewusstsein in solche Gespräche hineingegangen, dass wir mit chancen:reich Mehrwert stiften.

Das ganze Interview mit Stephanie Cox lesen Sie hier.

Im Dossier "Mein Business" stellen Alumni der Universität Wien ihr Start-up vor und verraten Tipps und Tricks für (zukünftige) GründerInnen. Das Dossier läuft in Kooperation zwischen dem uni:view Magazin und der DLE Forschungsservice und Nachwuchsförderung und dem Alumniverband.

Steckbrief
Name:Stephanie Cox
Alter:28
Studium:Kultur- und Sozialanthropologie
Gründungsjahr:bei mir gibt's da kein bestimmtes Jahr. Mein erste Tanzgruppe mit 16 gegründet und das Privileg gehabt seit meinen frühen 20er selbständig zu sein...
Mein  derzeitiges Projekt:chancen:reich
Mein Motto:be good to youself.

Mein Tipp für GründerInnen:

1 Prozent ist die Idee, 99 Prozent ist Execution