DoktorandInnen unterwegs: Miriam Zehnter in New York

31.08.2018

Die Doktorandin Miriam Zehnter verbrachte 2017/18 neun Monate bei Prof. Madeline Heilman am Department for Social Psychology an der New York University (NYU).

In ihrer Doktorarbeit “Gender relations in the 21st century: Change in gender stereotypes and new manifestations of sexism” untersucht die Nachwuchswissenschafterin Veränderungen in Geschlechterstereotypen, sowie neue Ausprägungen von Sexismus im 21. Jahrhundert. Auf der einen Seite untersucht Miriam Zehnter, ob und wie der gesellschaftliche und politische Fortschritt von Frauen zu einer Veränderung von Stereotypen beigetragen hat. Auf der anderen Seite beschreibt sie neue, subtile Ausprägungen von Sexismus und Diskriminierung gegen Frauen.

Im Interview erzählt die Doktorandin von ihrem Auslandsaufenthalt, der mit dem Marietta Blau Stipendium finanziert war.

  • Warum haben Sie sich für einen Auslandsaufenthalt in New York entschlossen? Inwiefern war dieser für Ihre Forschung wichtig?

Meine Forschungsthemen, Geschlechterstereotype und Sexismus, sind in der österreichischen Forschungslandschaft und besonders im Kontext der Psychologie an der Uni Wien nicht hinreichend etabliert. Mit meinem Thema war/ bin ich an meinem Institut eine One-Woman-Show. Für mich war es daher wichtig, für einige Zeit in einem Lab zu arbeiten, an welchem das Thema gut etabliert ist. An der NYU hatte ich die Möglichkeit, mit Madeline Heilman und anderen Wissenschaftler*innen mit jahrzehntelanger Erfahrung zum Thema zusammen zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Interessant ist, dass mir die gesamte Bedeutung meines Auslandsaufenthaltes für mich als Person und meine Forschung erst jetzt, im Nachhinein, bewusstwird. Heute, fast ein Jahr später, werden viele der positiven Auswirkungen sichtbar, wie z.B. Kollaborationen, Netzwerke und Freundschaften, die weit über meinen Aufenthalt in New York hinausgehen.

  • Was ist Ihnen von Ihrer Zeit in New York besonders in Erinnerung geblieben? Was war besonders überraschend/aufregend?

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die vielen klugen, liebenswürdigen und interessanten Menschen, die ich während meines Aufenthaltes kennenlernen durfte. Die Professor*innen, unter ihnen einige „Superstars der Sozialpsychologie“ sind mir stets auf Augenhöhe begegnet und haben sich, trotz übervoller Terminkalender, Zeit für wissenschaftliche und persönliche Gespräche genommen. Unter den PhD Student*innen gab es einen unglaublichen Zusammenhalt. Das hat mich beeindruckt. Während meines Aufenthaltes wurde Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt. Das war besonders überraschend – im negativen Sinne. Es war unglaublich spannend, die Stimmung in New York und an der NYU vor, während und nach der Wahl unmittelbar mitzuerleben.

  • Wo lagen die Herausforderungen?

Die Herausforderungen lagen vordergründig in der Freizeitgestaltung. Ich habe mich vor meiner Abreise viel mit Fragen zu meinem Forschungsaufenthalt befasst, mich inhaltlich vorbereitet, viel wissenschaftliche Literatur gelesen und mir eigentlich nur wissenschaftliche Ziele gesetzt. Darüber habe ich vergessen, dass man während eines Forschungsaufenthaltes auch Einiges an Freizeit hat, die es zu gestalten gilt. Gerade in einer großen, lauten und teuren Stadt wie New York sollte man sich vorab Gedanken machen, was man abseits der Arbeit an der Uni erreichen und erleben möchte. Dass New York unglaublich teuer ist, war ebenfalls eine Herausforderung.

  • Haben Sie Tipps für andere DoktorandInnen für die Planung und Durchführung eines Auslandsaufenthaltes?

Tipp eins wäre, überhaupt einmal ins Ausland zu gehen. Tipp 2 wäre, so lange wie möglich ins Ausland zu gehen. Zu sehen, wie Forschung und Lehre an anderen Universitäten betrieben wird, setzt die eigene universitäre Sozialisation in eine angemessene Perspektive. Vieles, das wir als „normal“ erleben – Positives wie Negatives – ist anderswo undenkbar. Um diese Erfahrung zu machen, braucht es zuerst den Mut, überhaupt die eigene Comfort Zone zu verlassen und ins Ausland zu gehen, zum Anderem, muss man sich überwinden, lange genug ins Ausland zu gehen, um wirklich in die andere Kultur eintauchen zu können.


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(Copyright: M. Zehnter)
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