Predatory Publishers: So schützen Sie sich

Beitrag von Bernhard Schubert & Guido Blechl, Open Access Office, Universität Wien

Wer letzten Sommer Nachrichten aus dem Bereich der Wissenschaft verfolgt hat, ist vielleicht des Öfteren über folgenden Terminus gestolpert: Predatory Publishing, im Deutschen spricht man in diesem Zusammenhang von sogenannten „Raubverlagen“. Hinter diesen Begriffen verstecken sich im weitesten Sinne unseriöse bis kriminelle Verlagsangebote, die die Notwendigkeit für WissenschafterInnen, möglichst viel zu publizieren, in unlauterer Weise ausnutzen. Dabei kommt häufig das mit Open Access aufgekommene Finanzierungsmodell von Publikationsgebühren zum Einsatz, mittels derer Raubverlage Mittel lukrieren, ohne dafür entsprechenden Gegenwert – z.B. das Organisieren einer adäquaten Begutachtung – zu bieten. (Aus dem Open-Access-Publikationsfonds der Uni Wien können in so einem Fall übrigens keine Gelder ausgeschüttet werden – als unseriös eingestufte Angebote muss das Open Access Office als nicht förderwürdig ablehnen!)

Die „Masche“ funktioniert dabei häufig so, dass Raubverlage aktiv AutorInnen via E-Mail anschreiben und anbieten, in einer ihrer „Zeitschriften“ zu publizieren. Oftmals lässt sich aber relativ leicht erkennen, dass ein solches Angebot von keinem ernstzunehmenden Verlag stammt: Gebrochenes Englisch, viel zu breite Calls for Papers, Zeitschriften mit keinem klar erkennbaren inhaltlichen Fokus, E-Mail-Adressen von Gratisanbietern und ähnliche Merkmale sind eindeutige Indizien für Raubverlage.

Ist man erst einmal in den Fängen eines solchen Raubverlages, gibt es üblicherweise kaum rechtliche Handhabe: Oft wird der eingereichte Artikel nach nur wenigen Tagen, in denen die „Begutachtung“ erfolgt, publiziert, und man wird zur Zahlung der Publikationsgebühr aufgefordert. Nachdem der vermeintliche Verlag die vorgesehene Leistung – Veröffentlichung auf dessen Website – erbracht hat, kann gerichtlich schwer dagegen vorgegangen werden, insbesondere da Raubverlage oftmals außerhalb Europas ansässig sind und ein etwaiges Verfahren sich allein schon deshalb als kaum durchführbar erweist. Für die wissenschaftliche Karriere ist eine solche Publikation allerdings im besten Fall wertlos, wenn nicht sogar aufgrund der Negativ-Reputation des Publishers schädlich (unabhängig von der Qualität des entsprechenden Artikels).

Was kann man tun, um unseriöse Verlagsangebote als solche zu erkennen? Abgesehen von den bereits erwähnten Kennzeichen in einschlägigen Aussendungen ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. So, wie es sehr überzeugende Spam-Mails gibt, gibt es auch sehr überzeugende Predatory Journals, deren Seiten mitunter äußerst professionell aussehen und die sich mit etlichen Indexierungen und Kennzahlen schmücken. Oftmals sind aber auch diese frei erfunden und tragen nur Namen, die an bekannte Metriken erinnern. Auch sogenanntes Journal Hijacking kommt vor, also die Übernahme von Zeitschriftennamen, wenn diese eingestellt werden, sich umbenennen o.Ä.

Im Zweifelsfall lohnt ein Blick in etablierte Zeitschriftenverzeichnisse, etwa jene von SCOPUS oder Web of Science, oder auch in Positivlisten wie z.B. das Directory of Open Access Journals (alle Links s.u.). Zu guter Letzt empfiehlt es sich, vor jeder Einreichung den Empfehlungen der Website Think–Check–Submit zu folgen, anhand derer man vertrauenswürdige Zeitschriften identifizieren kann, die gleichzeitig die größtmögliche Sichtbarkeit für die eigene wissenschaftliche Publikation sicherstellen.

Bei Fragen und Unklarheiten hilft Ihnen das Open Access Office gerne weiter!